#20 – Dennis Radtke: Wo steht Deutschland?

Shownotes

Mit Blick auf den vor gut einem Jahr vorgestellten Koalitionsvertrag zeichnet Dennis Radtke ein bisher gemischtes Bild. Die Bundesregierung sei mit gewaltigen außen- und geopolitischen Herausforderungen konfrontiert – Stichwort Iran beziehungsweise Situation am Golf. Diese hätten fundamentale Auswirkung auf unsere Wirtschaft und die Industrie. Trotzdem seien innenpolitisch durchaus Dinge vorangebracht worden, die lange überfällig waren, beispielsweise die Senkung der Stromsteuer oder die Abschaffung der Gasspeicher-Umlage. Alles Dinge, die für Arbeitsplatzsicherheit in der Industrie wichtig seien.

Die Notwendigkeit, Deutschland infrastrukturell zu erneuern, sei mit dem Sondervermögen durchaus auf dem Weg gebracht worden, ergänzte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Trotzdem habe es die Bundesregierung geschafft, mit zum Teil absurden Diskussionen zu Arbeitnehmerthemen, die mit der Problemlösung nur bedingt zu tun haben, die Prioritäten aus den Augen zu verlieren. Dazu gehöre zum Beispiel die Diskussion um Teilzeit oder die Vier-Tage-Woche. Jede Woche seien neue Themen auf den Tisch gekommen.

Die Branchen der IGBCE kratzen zurzeit an einer Auslastungsquote von 70 Prozent. Das sei weit weg von einer Auslastung, die sinnvoll und auf Dauer tragfähig ist, sagte Vassiliadis. Wenn man nun die Arbeitszeit verlängere, würde das die Kosten für die Unternehmen nicht senken. Stattdessen müsse man eher über Handelspolitik, eine moderne Infrastruktur oder beschleunigte Genehmigungsverfahren reden, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Die Diskussion zum Thema Arbeitszeit sei in der die jetzige Situation komplett falsch und lenke ab von den eigentlichen Problemen, so der IGBCE-Vorsitzende.

Das bestätigte auch Radtke. Es gebe einen großen Unterschied zwischen der Sichtweise der Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände auf der einen Seite und der Realität in den Unternehmen auf der anderen Seite.

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